Fayence

Terrine. Manufacture de Strasbourg, 1749-1751. Faïence.

ERFINDUNG, ENTWICKLUNG UND VERBREITUNG

Um dem Weiss des ersten chinesischen Porzellans nahezukommen, das etwa im 9. Jahrhundert nach Mesopotamien gelangte, überzogen die Töpfer des Nahen Ostens Irdenware mit einer Glasur, die durch die Hinzufügung von Zinnoxid (Zinnfritte) weiss und deckend wurde – und erfanden damit die Fayence.

Die arabische Präsenz in Spanien, Sizilien und Süditalien begünstigte die Einführung dieser Keramik-Technik. Auch die Töpfereien von Malaga und Valencia übernahmen das glänzende Dekor dieses «goldenen Geschirrs», das unter den Adligen Europas reissenden Absatz fand. Damit war Keramik in Europa erstmals nicht mehr ein reiner Gebrauchsgegenstand, sondern befand sich auf dem Weg hin zum Prestigeprodukt.

Im Italien der Renaissance verdankte die Fayence (auch als «Majolika» bezeichnet) ihren Aufschwung der Entwicklung einer schillernden Vielfarbigkeit und einer hervorragenden Maltechnik. Das 17. Jahrhundert brachte technische und stilistische Neuerungen im nördlichen Europa, insbesondere in Delft. Die holländischen Töpfer wollten das in Kobaltblau verzierte asiatische Porzellan nachahmen, mit dem die berühmte Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) Handel trieb. Sie perfektionierten die Fayence-Technik und brachten ganz Europa auf den Geschmack von Blau und Weiss.

Im 18. Jahrhundert etablierte sich Frankreich als kultureller Mittelpunkt der europäischen Aristokratie. Angesichts der leeren Staatskassen liess Ludwig XIV. sämtliches Geschirr aus Gold und Silber einschmelzen. Damit begann die Blütezeit der Fayence als Tafelgeschirr.

Als zunächst in Meissen und schliesslich in ganz Europa die Herstellung von einheimischem Porzellan gelang, war Fayence einmal mehr bedroht. Um der Konkurrenz aus Meissen oder Vincennes mit ihren raffinierten und leuchtenden Dekors standhalten zu können, glasierten die Fayencehersteller Muffelfarben auf, die eine erweiterte, subtilere Farbpalette bis hin zu Purpur und Gold boten.

 

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